Meisterbrief – und dann?


Meisterprüfung geschafft, aber wie geht es danach weiter? Diese Frage stellen sich viele aktuelle oder angehende Meisterschüler im Handwerk.
Vor einem Jahr interviewten wir Julian Kipp. Der heutige Klempnermeister besuchte zur damaligen Zeit den Vorbereitungskurs auf die Klempnermeisterprüfung am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen. Jetzt sprachen wir erneute mit ihm und wollten wissen, was die Zeit nach der Meisterprüfung für Ihn brachte.

Frage:
Herr Kipp, ein Jahr ist seit der Meisterprüfung vergangen. Wie ging es nach bestandener Prüfung für Sie weiter, was machen Sie aktuell?


Während der Zeit in der Meisterschule hatte sich der Gedanke der Selbstständigkeit entwickelt. Aber ursprünglich sollte es in mein altes Unternehmen zurückgehen. Dieser Schritt erfolgte auch zunächst. Aufgrund einer fehlenden Einigung hatte ich mich entscheiden das Unternehmen zu wechseln und eine Nebenerwerbstätigkeit zu Gründen.
Die Nebenerwerbstätigkeit war gegründet und ein neuer Arbeitgeber gefunden, doch dann kam Corona. Der Arbeitsbeginn im neuen Unternehmen wurde verschoben, da auch die Unternehmen vor einer wirtschaftlichen Herausforderung standen.
So blieb mir nichts anderes übrig als die - bis dato generierten Aufträge - abzuarbeiten. Durch Empfehlungen von Lieferanten, aber auch durch Eigeninitiative konnten wir weitere Aufträge generieren. Ein örtlicher Dachdecker- und Zimmerermeister, der selbst ein Unternehmen führt und den ich aus dem alten Betrieb kenne, hat darüber hinaus einige größere Aufträge an mich vergeben. Vielen Dank an dieser Stelle. Wegen dieser guten Ausgangslage habe ich mich dann für die volle Selbstständigkeit entschieden.
Aktuell mache ich die nächste Weiterbildung und zwar zum Gebäudeenergieberater. Passend zur Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV) zum neuen Gebäudeenergiegesetz kurz GEG. Dadurch kann ich meinen Kunden einen noch größeren Service bieten.

Frage:
Wie einfach war der Start in die Selbstständigkeit für Sie?

An dieser Stelle muss man etwas differenzieren. Wie oben bereits beschrieben, war der reine beruflichen Start zwar mit etwas Bauchschmerzen und auch Aufwand verbunden, aber es bereitete mir nicht die großen Schwierigkeiten. Das unangenehme sind die bürokratischen Aufgaben, die mit der Neugründung eines Unternehmens einhergehen.

Frage:
Welche spannenden Projekte konnten Sie im letzten Jahr realisieren?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Baustelle in Brilon-Madfeld. Dort haben wir eine Prefa Siding x Fassade in Patina Grau und ein Stehfalz- Dach in Anthrazit erstellt. Nicht nur die Arbeit war besonders, sondern auch die sehr freundliche Art der Bauherren ist in Erinnerung geblieben.
Ein weiteres Projekt, welches in besonderer Erinnerung geblieben ist, war eine Dachsanierung aus Aluminium Schindeln.
Grundsätzlich gefällt mir die Fassaden-Arbeit am besten. Wir bemühen uns auch unseren Kunden die Vorteile von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden hervorzuheben.

Frage:
Rückblickend auf Ihrer Zeit in Mayen. Welchen Nutzen hat die Ausbildung zum Klempnermeister am BBZ in Mayen Ihnen für Ihre tägliche Arbeit gebracht?

Das BBZ in Mayen macht super Meisterkurse, aber in erster Linie macht das BBZ Unternehmer. Ich kann das tägliche Geschäft mit allen erlernten Dingen bewältigen. Besonderes Augenmerk lege ich derzeit auf die Außendarstellung des Unternehmens, wo ich das erlernte aus Mayen sehr gut anwenden kann. Kunden achten schon sehr darauf, ob man ein Meisterbetrieb ist.

Frage:
Sie sagten letztes Jahr, imponierend wären die Menschen gewesen, die Sie in der Zeit in Mayen kennenlernen durften. Gibt es da heute noch Kontakt. Erfolgt vielleicht sogar eine Art Netzwerk als Austausch, zwischen den Schülern oder auch dem BBZ?

Auf jeden Fall. Mit dem ein oder anderen telefoniert man hin und wieder mal. Aber aus einigen Verbindungen sind Freundschaften geworden. Wir besuchen uns gegenseitig, fragen um Rat, unterstützen uns. Gehen mal zusammen was Essen. Und auch zum BBZ habe ich weiter Kontakt. Demnächst bin ich zum Unternehmerseminar wieder da, sofern die Umstände es zulassen.

Frage:
Lassen Sie uns einen kurzen Ausblick wagen. Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen mittelfristig, sagen wir mal so in 5 Jahren. Welche Ziele verfolgen Sie?


Wie oben schon erwähnt mache ich die Weiterbildung zum Gebäude Energieberater und des Weiteren ist noch eine Lohnabkantung in Planung. Hierzu laufen derzeit schon die Planungen. Ich würde mich gerne am Markt gut etablieren und mehr Leute/Kunden auf unsere Produkte aufmerksam machen.
Aber allgemein bleiben Fort- und Weiterbildungen ein großes Thema. Da bin ich noch nicht am Ende. Ich würde auch gerne in der Landesfachgruppe mitwirken und werde mich da auch sehr drum bemühen.


17.11.2020/fn
Fotos: Julian Kipp





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